Seebeben - und das Tsunami-Frühwarnsystem

Seit November 2005 wird das unter deutscher Beteiligung entstandene Tsunami-Frühwarnsystem - Tsunami Early Warning System (TEWS) - in der geologisch kritischsten Zone des Indischen Ozeans, dem Sunda-Bogen, installiert. Das TEWS soll künftig entscheidend zum Schutz vor Naturkatastrophen wie Tsunamis beitragen.

In die Entwicklung des Systems sind u.a. Erkenntnisse aus der Erdbebenforschung eingeflossen, die das GeoforschungsZentrum (GFZ) Potsdam gemeinsam mit weiteren Institutionen betreibt.

Im Sunda-Bogen hatte ein Seebeben am 26. Dezember 2004 einen Tsunami ausgelöst, der weite Teile Südostasiens verwüstete. Gemeinsam mit rund 20 nationalen und internationalen Partnerorganisationen ist es den Forschern des GeoForschungsZentrums (GFZ) in Potsdam gelungen, eine Konzeption zu erarbeiten, die innerhalb von ein bis drei Jahren einen wirksamen Schutz für die Bevölkerung leistet. Das System, das Deutschland den im Rahmen der Hilfe für die vom Seebeben in Asien betroffenen Staaten anbietet und nun in Indonesien umgesetzt wird, wurde von Bundesforschungsministerin Bulmahn auf der UN-Konferenz zur Katastrophenreduktion in Kobe vorgestellt. Der deutsche Vorschlag ist Teil der konzertierten Hilfe, die die Intergovernmental Oceanographic Commission (IOC) der UNESCO im Auftrag der UN koordinieren wird.

Indonesien eignet sich aufgrund der geologischen Situation besonders für die Umsetzung eines Frühwarnsystems. Wegen seiner unmittelbaren Nähe zum seismisch aktiven Sundabogen drohen dort auch in Zukunft katastrophale Tsunamis. Mit den seismischen Sensoren des Frühwarnsystems lassen sich in Zukunft auch Erdbeben und Vulkanausbrüche erfassen und für Warnmeldungen nutzen.

Das TEWS-System ist offen und dezentral aufgebaut, um die Verknüpfung mit anderen regionalen und zukünftigen Systemen zu ermöglichen. Ein Schwerpunkt der Entwicklung liegt in der Verkürzung der Vorwarnzeiten durch die Erweiterung eines Echtzeit-Erdbebenmonitoring-Systems. Auf der Basis des seismologischen Forschungsnetzes GEOFON der GFZ wird es möglich sein, innerhalb von 13 Minuten nach dem Ereignis Lagezentren, seismologische Institutionen und Medien automatisch zu warnen. Um die Qualität der Vorhersagen zu erhöhen, ist jedoch die Vernetzung und der Ausbau von Messstationen nötig.

Start im Oktober

Im November 2005 hat das deutsche Forschungsschiff SONNE damit begonnen, GPS-gestützte Bojen in indonesischen Gewässern für das Sensornetzwerk auszusetzen.

Das System wird innerhalb von ein bis drei Jahren auf Basis des bestehenden Erdbebenmonitoring-Systems des GFZ eingerichtet. Hier sollen neben der Errichtung neuester Messeinrichtungen wie bojengestützten Druckpegelmessern zur Erkennung von Wellen auch bestehende Einrichtungen in das System integriert werden. Ebenfalls Bestandteil sind die Einrichtung der Satellitenkommunikation und der Aufbau von Know-How in den regionalen seismologischen Zentren sowie Schulungen von Entscheidungsträgern, Experten, Verantwortlichen vor Ort und den Bewohnern.

Neben der Umsetzung und Einbindung bestehender Technologien wird ein weiterer Schwerpunkt in der Forschung liegen, die neue Bestandteile des operativen Frühwarnsystems entwickelt. Diese konzentriert sich unter anderem auf den Ausbau eines permanenten Deformations-Überwachungssystems auf der Grundlage von satellitenbasierter Radarinterferometrie (TerraSAR-X).

Das System, das insgesamt einen Wert von 45 Millionen Euro hat, wird Indonesien im Rahmen der Tsunami-Hilfe der Bundesregierung zur Verfügung gestellt. Dabei werden Kooperationen mit weiteren Ländern angestrebt. Anrainer-Staaten wie Malaysia, Sri Lanka und Madagaskar haben bereits ihr Interesse an einer Kooperation mit Deutschland bekundet.

Quelle: Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)

Geonet News vom 09.01.2006